Seit dem letzten Update ist viel passiert. Neben bewegenden Momenten in unserer Musikarbeit in Uganda beschäftigen uns auch grundlegende Fragen zur Zukunft unseres Projekts. Wie können wir langfristig Wirkung erzielen? Wie gehen wir mit sinkender Spendenbereitschaft um? Und welche neuen Wege müssen wir einschlagen, um nachhaltig zu wachsen? In diesem Blogpost nehmen wir euch mit in unsere aktuellen Gedanken, Entwicklungen vor Ort – und in eine mögliche neue Vision für die Living Music Foundation.
Zwischen Beruf, Familie und Projektverantwortung
Ich schreibe euch ganz offen:
Immer wieder frage ich mich, ob und wann ich die gesamte Arbeit, die mit diesem Projekt verbunden ist, überhaupt stemmen soll. Niemand von uns betreut die Living Music Foundation hauptberuflich. Und doch ist so ein Projekt eigentlich nichts, was man „nebenbei“ führen kann.
Auch wenn wir in Deutschland „nur“ die Geldgeber sind und die tägliche Arbeit in Uganda von unseren festangestellten Mitarbeitenden getragen wird – hier gäbe es viel mehr zu tun. Vorträge in Gemeinden, Präsentationen bei Institutionen, persönliche Gespräche mit potenziellen Unterstützern – vieles bleibt schlicht liegen.
Wenn ihr Ideen habt, wie wir mehr Menschen erreichen können: Bitte meldet euch. Jede Initiative zählt.
2.000 € für das Auto – ein Hoffnungsschimmer
Im Oktober hatte ich euch von Disans Geburtstag und seinem Spendenaufruf berichtet. Bis heute sind 2.000 € für das geplante Fahrzeug eingegangen. Dafür sind wir sehr dankbar!
Warum dieses Auto so entscheidend ist, wird immer deutlicher:
In unserem Office in Mbarara erreichen wir Kinder und Jugendliche fast ausschließlich während der Schulferien. In den abgelegenen Communities draußen hingegen könnten wir ganzjährig unterrichten – wenn wir mobil wären.
Disan sagt jedes Mal, wenn sie in die Dörfer fahren:
“This is my favorite part.”
Dort draußen findet das eigentliche Leben statt.
Dort können wir wirklich transformieren.
Bitte betet weiter mit uns, dass die finanziellen Mittel für das Fahrzeug zusammenkommen.
Workshop in der St. Paul’s School (Lyantonde)
Im November waren Disan, Innocent und Franklin mehrere Tage in der St. Paul’s School in Lyantonde. Der Workshop endete mit einem großen Parent’s Day, bei dem auch weitere Mitglieder der Vessel’s Band mitwirkten.
Warum ist die Vessel’s Band so wichtig?
Sie zeigt Eltern und Jugendlichen ganz praktisch:
Mit Musik kann man sein Leben verändern – und sogar seinen Lebensunterhalt verdienen.
Viele der heutigen Bandmitglieder wurden durch die Living Music Foundation ausgebildet. Heute werden sie regelmäßig für Hochzeiten und Veranstaltungen gebucht.
Ich verlinke euch zwei bewegende Videos dieses Workshops – sie zeigen, wie viel Freude und Perspektive dort entsteht.
Keyboards für die Kashaka Girls School – Versprechen eingelöst
Im November konnten wir endlich die zwei versprochenen Keyboards an die Kashaka Girls School übergeben. Dieses Versprechen hatten wir im Oktober 2024 gegeben – es hat lange gedauert, weil wir die Instrumente selbst noch benötigten. Nun war der richtige Moment.
Die Übergabe war feierlich und bewegend.
Ich füge zwei Videos ein:
Belinda singt und spielt „Thank you Lord“, einen Song von Disan. Er sagte voller Stolz:
“She is a product of LMF.”
Belindas Eltern haben außerdem zugestimmt, dass sie in der Weihnachtszeit mit der Vessel’s Band auftreten darf. Dieses Vertrauen berührt uns sehr.
In Uganda ist der Zugang zu Instrumenten alles andere als selbstverständlich. Was für uns im Westen normal ist, ist dort ein Privileg.
Schlagzeug erneuert
Unser Schlagzeug war stark abgenutzt. Wir konnten neue Felle und Becken nach Uganda verschicken. Franklin hat alles neu bespannt.
Ein treuer Schüler der Modern Music Piano Academy spendete außerdem seine gesamten Drumsticks – herzlichen Dank dafür!
Das Schlagzeug wird intensiv genutzt – sowohl im Unterricht als auch bei Bandauftritten.
Frühjahrsstart 2026 – volles Haus in Mbarara
2026 begann mit einem kleinen Frühjahrsputz – und danach strömten die Kinder in unsere Räume.
Während der Ferien ist unser Office immer gut ausgelastet. Gruppenunterricht ist nicht leicht – aber die Fortschritte sind sichtbar. (Hier verlinke ich euch ein Video.)
Noch einmal zur Einordnung:
In den Schulferien erreichen wir viele Kinder im Office.
Außerhalb der Ferien unterrichten wir vereinzelte Erwachsene oder Kindergartenkinder.
Für regelmäßige Community-Arbeit fehlt uns weiterhin das Auto.
Veränderungen im Team
Leider mussten wir Innocent aus privaten Gründen beurlauben. Auf Details können wir hier nicht eingehen. Vertreten wird er aktuell von Stephen, dem Keyboarder der Vessel’s Band. Dafür sind wir dankbar.
Disan kommt nach Deutschland
Vom 20.04.–29.04.2026 soll Disan uns in Deutschland besuchen – sofern die Visa-Formalitäten rechtzeitig abgeschlossen werden.
Geplant sind:
Mitarbeit bei der Modern Music Piano Academy
Besuch im Music Store Köln
Begegnungen mit Unterstützern
kulturelle Aktivitäten
Wir hoffen sehr, dass alles klappt.
Austausch mit der Deichmann Stiftung – eine ehrliche Bestandsaufnahme
Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, Jakob Adolf, Projektmanager und Buschpilot der Deichmann Stiftung, persönlich zu treffen. Wir konnten uns intensiv austauschen – über Herausforderungen, Hoffnungen und aktuelle Entwicklungen im Spendenbereich.
Die Deichmann Stiftung baut derzeit eine mobile fahrbare Krankenstation in Madagaskar. Selbst bei einer Organisation dieser Größe nimmt man wahr, dass der Spendenwille insgesamt abnimmt.
Jakob berichtete, dass auch dort in den kommenden Jahren Millionen an Spendengeldern wegbrechen werden.
Die Beobachtung:
Junge Menschen spenden kaum noch.
Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit belasten viele Haushalte.
Auch ältere Generationen sind zurückhaltender geworden.
Menschen spenden nur noch, wenn sie sich zu 100 % mit einem Projekt identifizieren.
Das erleben wir ebenfalls.
Selbst bei unseren eigenen Schülern der Modern Music Piano Academy – wo man eigentlich meinen könnte, dass sie sich besonders angesprochen fühlen – stoßen wir oft auf Zurückhaltung.
Das ist kein Vorwurf.
Aber es wirft Fragen auf.
Wo entwickelt sich unsere Gesellschaft hin?
Wie nachhaltig sind klassische Spendenmodelle?
Jakob Adolf empfiehlt deshalb verstärkt den Ansatz: Hilfe zur Selbsthilfe – durch Businessmodelle vor Ort.
Und genau hier setzen Disan und ich an.
Eine neue Business-Idee in Uganda
Wir planen derzeit eine konkrete Business-Idee in Uganda. Wenn alles reift und tragfähig ist, werden wir euch ausführlich davon berichten.
Das Modell soll so aufgebaut sein:
50 % der Gewinne fließen direkt in die Living Music Foundation.
Die anderen 50 % dienen dazu, Mitarbeitende dieses Business zu bezahlen und Strukturen aufzubauen.
Unser Ziel:
Langfristig unabhängiger von reinen Spenden zu werden und nachhaltige Einnahmequellen vor Ort zu schaffen.
Uganda-Reise 2026 – vielleicht mit dir?
Vom 08.08.–22.08.2026 planen wir eine Reise nach Uganda.
Wenn du Interesse hast, uns zu begleiten, melde dich unter:
[email protected]
Grobe Kosten:
Flug: ca. 1.100 €
Unterkunft, Verpflegung, Safari, Transfers etc.: ca. 1.000 €
Gelbfieberimpfung erforderlich
Es wird intensiv, bewegend und lebensverändernd.
Zum Schluss
Manchmal frage ich mich, ob wir diesem Projekt wirklich gerecht werden.
Ob wir genug tun.
Ob wir die Verantwortung tragen können.
Und dann sehe ich Belinda am Keyboard.
Franklin am Schlagzeug.
Disan, der trotz schwerer gesundheitlicher Krise wieder aufsteht.
Und ich weiß: Es lohnt sich.
Danke, dass ihr diesen Weg mit uns geht.
Danke für eure Geduld, eure Gebete, eure Spenden und euer Mitdenken.
Lasst uns gemeinsam weiter Musik, Hoffnung und Perspektive nach Uganda bringen.
Mit herzlichen Grüßen und im Namen des gesamten Teams,
Marcel
Living Music Foundation e.V.